Metamorphose eines Landes: Das Tripoli International Convention Center  
23.07.2010

   

Libyen im Aufbruch: Vom neuen Selbstverständnis des Wüstenstaats nach dem Ende der internationalen Isolation zeugen zahlreiche Bauprojekte in der Hauptstadt Tripolis. Mit dem Tripoli International Convention Center entstand ein repräsentativer Tagungsort in reduzierter Formensprache. Eine vielfach geschlitzte Hülle aus semitransparentem, bronzefarbenem Edelstahlgewebe der GKD-Gebr. Kufferath AG und die erste transparente Mediamesh-Medienfassade auf dem afrikanischen Kontinent sind markante Erkennungszeichen des modernen Baus. Mediamesh ist ein Gemeinschaftsprodukt der GKD-Gebr. Kufferath AG und der ag4 media facade GmbH.

Die Hauptstadt Tripolis verwandelt sich mit zahlreichen Bauprojekten in eine moderne Wirtschaftsmetropole, deren Architektur von einem neuen Selbstverständnis zeugt. Hierfür steht beispielhaft das im Februar fertig gestellte Tripoli International Convention Center der Istanbuler Architekten Murat und Melkan Tabanlioglu. In reduzierter Formensprache gestalteten sie einen repräsentativen Tagungsort, dessen semitransparente, vielfach geschlitzte Hülle aus bronzefarbenem Metallgewebe dem Bau einen mystischen Charakter verleiht. An der Stirnseite wird eine transparente Medienfassade aus Mediamesh® zum markanten Zeichen einer neuen Form kommunikativer Offenheit.



An der Stirnseite wird eine transparente Medienfassade aus
Mediamesh® zum markanten Zeichen kommunikativer Offenheit.
Foto: GKD/Cemal Emden



Die Semitransparenz des filigranen Gewebes dient als
vollwertiger Sonnenschutz und gewährleistet natürliche Kühlung.
Foto: GKD/Cemal Emden

Mit zahlreichen Großprojekten, darunter dem türkischen Pavillon auf der
EXPO 2000 in Hannover und dem Dogan Medienzentrum in Ankara für den
größten türkischen Medienkonzern machte sich das Architekturbüro
Tabanlioglu
auch international einen Namen. Murat Tabanlioglu, der
zusammen mit seiner Frau Melkan das Büro seit 1994 führt und an der TU
Wien studierte, setzt auf die kommunikative Kraft von Architektur, die die
Besonderheiten von Standort und spezifischen Objektanforderungen global
gültig verbindet.
Das Tripoli International Convention Center liegt in einem großen Park
mit altem Baumbestand. Tabanlioglu konzipierte es als
zweigeschossigen, scharfkantigen Bau mit zurückliegender Glasfassade
und auskragender Dachkonstruktion, der die natürliche Umgebung subtil integriert.

Der Natur nachempfunden

Der langgestreckte, liegende Quader wird großflächig von bronzefarbigem
Metallgewebe der international führenden technischen Weberei GKD –
Gebr. Kufferath AG
umspannt. Ursprünglich hatten die Architekten
feinmaschiges Bronzegewebe vom Typ Mandarin vorgesehen. Ein Ansatz,
der den materialtypischen Eigenschaften von Bronze – Anlaufen unter
Einwirkung von Sauerstoff – widerspricht. Deshalb entwickelte GKD eine
optisch gleichwertige aber dauerhaft farbstabile Lösung, mit der
Edelstahlgewebe vom Typ Kiwi im gewünschten Bronzefarbton lackiert
wurde. Anspruchsvolle Tests belegen die dauerhafte Brillanz, UV- und
Wetterbeständigkeit der lackierten Gewebe. In Tripolis kamen 8.500
Quadratmeter dieses Gewebes, dessen weicher Farbton dem Sand der
libyschen Wüste entspricht, zum Einsatz. Eine besondere Herausforderung
war die Idee der Architekten, das Gewebe in über 500 rauten- und
trapezförmige Paneele unterschiedlichster Abmessungen zuzuschneiden.
Um Kosten- und Zeitaufwand hierfür in vertretbarem Rahmen zu halten,
übertrug GKD die Umrisse der einzelnen Paneele mittels modernster
Lasertechnik auf die Gewebebahnen. Die präzise auf Maß geschnittenen
Paneele wurden in Tripolis so an der Fassade montiert, dass nach einer
ausgeklügelten Mustervorgabe unterschiedlich große, wie zufällig
anmutende Schlitze
entstanden. Ihre Anordnung greift die Struktur der
Baumrinde von den umgebenden Pinien auf und verleiht der gewebten
Haut so eine wie natürlich gewachsene Optik.



Die Architekten Tabanlioglu konzipierten einen zweistöckigen,
scharfkantigen Bau, der die natürliche Umgebung subtil integriert.
Foto: GKD/Cemal Emden


Funktionaler Mehrwert
Die Semitransparenz des filigranen Gewebes verhindert unerwünschte
Einblicke von außen, lässt aber dennoch diffuses Tageslicht in den
weitläufigen Innenraum. Von dort ist der Blick unverstellt frei auf die
umgebende Landschaft, die so mit dem Säulenentree verschmilzt. Dieser
visuellen Transparenz zum Trotz verhindert die textile Haut tagsüber als
vollwertiger Sonnenschutz direkte Sonneneinstrahlung und verwandelt den
Wind in einen gleichmäßigen, milden Luftstrom, der eine angenehme,
natürliche Kühlung ohne Zugluft gewährleistet. Der Abstand des Gewebes
zur Glasfassade wurde so groß gewählt, dass ein wohl klimatisierter
Wandelgang zwischen Glas und Gewebe entsteht, dessen kühlende
Wirkung
auch die Gesamtkühllast des Gebäudes nachhaltig senkt. Abends
entfaltet die gewebte Membran ihren ganz besonderen Zauber: Sobald das
Gebäude von innen erleuchtet wird, dringt das Licht durch die Schlitze und
Gewebemaschen, so dass die Fassade wie ein lichtdurchfluteter Wald
anmutet und eine faszinierende Symbiose mit den umgebenden Bäumen
eingeht.



Die Anordnung der rauten- und trapezförmigen Paneelen
greift die Struktur der Baumrinde von den umliegenden Pinien auf.
Foto: GKD

Spektakuläre Kommunikationsplattform

Je nach Anlass und Stimmung setzt das neben dem Haupteingang
montierte Mediamesh®, ein gemeinsam von GKD und der ag4 media
facade GmbH entwickeltes Produkt, zusätzliche spektakuläre Impulse. 350
Quadratmeter Edelstahlgewebe mit eingewebten LED-Profilen
medialisieren dort, wo internationale Repräsentanten künftig ein- und
ausgehen sollen, die Fassade. Neun Paneele Mediamesh®, jedes zwölf
Meter lang und 3,22 Meter breit, wurden hier harmonisch vor der
Glasfassade in die bronzefarbige Gewebehaut integriert. Die hohe
Auflösung mit 292.400 Pixeln gewährleistet perfekte Videoqualität. Alle 4,25
Zentimeter wurden die im Abstand von vertikal vier Zentimetern
eingewebten LED-Profile mit Leuchtdioden bestückt. Sie verwandeln die
transparente Haut in eine Medienfassade mit höchst variantenreichem
Einsatzspektrum. Neben individuell entwickelten Bespielungen werden
Veranstaltungen, Konferenzen oder Filme als Livefeed auf das
medialisierte Gewebe übertragen
. Dieses gestaltet die Wiedergabe nicht
nur für einen stilvollen Empfang, sondern macht sie zu einem gelebten
Austausch zwischen Innen- und Außenraum – atmosphärisch, optisch und
inhaltlich. Entscheidend für den Einsatz von Mediamesh® war deshalb nicht
nur die Brillanz der Wiedergabe bei Tageslicht, sondern auch die
Transparenz des Systems, das die freie Aussicht nicht beeinträchtigt,
gleichzeitig aber ebenfalls effektiven Sonnenschutz bietet. Kombiniert mit
extremer Witterungsbeständigkeit – ohne Kühlung widersteht es sowohl
dem subtropischen Klima als auch Sandstürmen und starken Regenfällen –
erfüllt das innovative Medialisierungssystem auch wartungstechnisch die
hohen Anforderungen der Planer.



In Tripolis kamen 8.500 m² des bronzefarbenen Edelstahl-
Gewebes vom Typ Kiwi zum Einsatz.
Foto: GKD

Repräsentation als aktiver Austausch

Das vielschichtige Zusammenspiel der bronzefarbenen Membran und der
Medienfassade entbindet die Architektur des Tripoli International
Convention Center von tradierten Repräsentationsaufgaben. Die
funktionale Einfachheit des Entwurfs stellt die Repräsentation dennoch in
ihren Mittelpunkt, indem sie mit gebotener Klarheit und Ernsthaftigkeit die
statische Wirkung des Gebäudes zugunsten eines dynamischen
Austauschs mit der Umgebung aufhebt. Das Kleid aus Metallgewebe agiert
dabei als zeitgemäßer, dialogstiftender Mittler.

www.gkd.de
www.tabanlioglu.com.tr

 

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