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Interview mit Carlo Urbinati-Ricci, Co-Inhaber von Foscarini, und Giulio Iacchetti, Designer der Tropico-Leuchte am 01.10.2009 bei der Eröffnung der Tropico-Installation in den Neuen Werkstätten, München.
Herr Urbinati, Herr Iacchetti – Sie waren mit Tropico bereits in einigen Städten „auf Tour“. Nun präsentiert Foscarini die Installation in den Neuen Werkstätten in München.
Urbinati: Der Startpunkt für die Tropico-Installation war die Luminale 2008 in Frankfurt. Es folgten dann Stationen in Köln und Wien und nun haben wir die Installation nach München gebracht.
Auch auf der Biennale in Venedig präsentieren wir die Leuchtenserie von Tropico. Foscarini ist Sponsor der diesjährigen Biennale in Venedig und unterstützt die 53. Esposizione Internationale d'Arte (53. Internationale Kunstausstellung).
Vom 01.-31.10.09 stellen wir Tropico in den „Neuen Werkstätten“ in München vor, da wir auch immer wieder gerne größere Städte aufsuchen.
Was ist die Idee hinter Tropico?
Urbinati: Die Grundidee basiert auf einem rautenförmigen Einzelmodul. Die unterschiedlich großen Ringe bestimmen die Größe der insgesamt vier Tropico-Varianten. Ringe und Einzelmodule werden als Einzelbestandteile geliefert, so kann sich der Kunde die Leuchte selbst zusammenbauen und dadurch Form und Größe festlegen.
Die meisten Leuchten gibt es nur in einer bestimmten Form oder Größe, sie sind nicht flexibel gestaltbar. Tropico ist da anders, man kann sie individuell und nach Belieben formen. Das ist das Faszinierende daran und unterscheidet sie somit grundlegend von anderen Leuchten.
Ein Vorteil ist auch, dass die Leuchte praktisch zu verpacken und einfach zu transportieren ist. Das ist natürlich nicht der Grund für den Entwurf gewesen, sondern nur ein positiver Nebeneffekt.
Iacchetti: Das Vorbild der Leuchte Tropico stammt eigentlich aus der Natur. Ich habe mich von der Form der Erdkugel inspirieren lassen. Tropico ist ein Objekt, das unendlich viele Muster und Formen hervorbringt.
Das Tolle dabei ist, dass sich jeder seine „persönliche“ Tropico gestalten kann. Dabei sprechen wir genau die Menschen an, die das Individuelle lieben.
Die Farbigkeit erhält die Leuchte durch den Einsatz farbiger Filter in ihrem Innern. Bei Tropico kommt es so zu einem spannenden Zusammenspiel von Licht und Schatten. Man kann völlig unterschiedliche Stimmungen und Emotionen schaffen.
Um die größte Leuchte zusammenzubauen, benötigt man ca. 20 Minuten. Tropico kann in allen Räumen eingesetzt werden: in Wohnräumen, Restaurants oder öffentlichen Gebäuden.
Die Rauten-Elemente bestehen aus thermoplastischem Kunststoff, der ein besonderes Materialgefühl vermittelt. Warum haben Sie sich für dieses Material entschieden?
Urbinati: In ästhetischer Hinsicht vermittelt das thermoplastische Material eine ganz außergewöhnliche Anmutung, und es ist dort, wo es befestigt wird, außerdem sehr flexibel. So können wir sagen, dass dieses einzelne Element nicht nur eine formale, sondern auch eine ästhetische Komponente ist, die allerdings eine strukturelle Funktion hat.
Wie und wo vertreiben Sie Ihre Leuchten?
Urbinati: Hauptsächlich durch den spezialisierten Leuchtenfachhandel, weiterhin durch den Möbelfachhandel, einige Concept Store, und letztlich nimmt die Bedeutung der Online-Shops auch zu.
Wie lange benötigt man um eine Leuchte zu entwerfen und dann fertig auf den Markt zu bringen?
Urbinati: Der Prozess kann von einem Jahr bis zu mehreren Jahren dauern, besonders dann, wenn das verwendete Material neu und innovativ ist und man aufwändig forschen und entwickeln muss. Der Prozess setzt sich aus mehreren Phasen zusammen: Nachdem die Entwürfe der Designer begutachtet und schließlich ausgewählt wurden, wird von ihnen zunächst ein Prototyp erstellt und geprüft, ob der Entwurf überhaupt realisierbar ist. Dann beginnt eine eher technische Phase, mit all den Materialtests und den Tests zur elektrischen Funktionstüchtigkeit. Der letzte Schritt, bevor der Entwurf dann „in Produktion“ geht, ist der Industrialisierungsprozess mit der Herstellung der Werkzeuge und den Produktionstests.
Unter dem Motto „Successful Living“ hat Foscarini zusammen mit der Marke Diesel eine neue Home Collection für Verbraucher kreiert. Was war der Grund für die Zusammenarbeit mit Diesel?
Urbinati: Durch die Kooperation mit Diesel möchten wir eine neue und größere Zielgruppe erschließen, die sonst mit dem Thema Licht und Leuchten nicht so schnell in Berührung kommt. Wir möchten bei dieser Sache nicht die Marke Foscarini in den Vordergrund stellen.
Nehmen wir zum Beispiel die Marke Armani – unter dieser Marke wird eine komplette Designkollektion angeboten. Dies ist nicht das Ziel unserer Kooperation zwischen Foscarini und Diesel. Foscarini liefert das lichttechnische Know-how, das Design und die Marke aber kommen von Diesel.
Wie ist ihr Standpunkt zur neuen EU-weiten Glühlampenverordnung und wie beurteilen Sie die Entwicklung der LED für die Zukunft?
Urbinati: Die neue EU-Glühlampenverordnung ist schon ein etwas seltsamer Beschluss, denn betrachtet man die Produktion von Leuchtstoff- bzw. Energiesparlampen, dann fällt die Energiebilanz nur unwesentlich besser aus als die der Glühlampen. Da Energiesparlampen in den Sondermüll gehören, ist auch die Entsorgung problematischer als bei Glühlampen.
LEDs sind für die Zukunft eine durchaus interessante Alternative, allerdings herrscht auf diesem Gebiet noch Entwicklungsbedarf, um das gleiche warme Licht einer Glühbirne zu erreichen. Das LED-Licht ist momentan noch recht kühl und damit eher für die Beleuchtung einer begrenzten Fläche geeignet.
Iacchetti: Es ist eigentlich sehr schade, dass wir uns von dieser tollen Erfindung verabschieden müssen, denn das Licht einer Glühbirne ist im Gegensatz zu dem von anderen Leuchtmitteln sehr weich und warm und vermittelt Emotionen. Wir sind ja schließlich mit diesem Licht groß geworden.
Natürlich wird sich auch das Design der Leuchten entscheidend ändern, aber es werden jetzt schon sehr viele Leuchten mit LED und anderen sparsamen Leuchtmitteln entworfen. Bei den Lichtdesignern erkennt man bereits ein Umdenken in diese Richtung.
Was fasziniert Sie am Licht und an Lichtdesign?
Urbinati: Licht vermittelt uns Information und Emotion. Licht ist sozusagen das Mittel oder der Träger, mit dem wir Informationen erhalten – das ist das eigentlich Faszinierende. Mit falsch eingesetztem Licht kann man einen noch so schönen Raum zerstören. Richtig eingesetztes Licht kann dagegen Objekte und Räume positiv prägen.
Iacchetti: Beim Entwerfen einer Leuchte interessiert mich zunächst immer nur die Lichtquelle. Um dieses Licht herum entwerfe ich dann die Form, das Objekt – und das ist das, was mich fasziniert. So bin ich auch mit Foscarini zusammengekommen. Das Resultat sehen Sie hier - die Leuchte Tropico.
Ich bin aber nicht nur Lichtdesigner, sondern entwerfe und plane auch andere Produkte und Accessoires und unterrichte auch an Hochschulen, z.B. an der Universität Venedig.
Herr Urbinati, Herr Iacchetti, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen noch einen angenehmen Aufenthalt in München.
Das Interview führte Emre Onur (LPi).
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Alessandro Vecchiato und Carlo Urbinati lernten sich 1981 bei dem in Murano/Venedig ansässigen Unternehmen Foscarini kennen, für das sie beide als Gestalter von Leuchten tätig waren. 1983 kauften beide das Unternehmen. In den 1990er Jahren zog es von Murano auf das Festland vor den Toren Venedigs. Auch die Ausrichtung des Unternehmens veränderte sich in dieser Zeit: Statt wie am Anfang nur mit dem Material Glas arbeitet Foscarini heute mit den unterschiedlichsten Materialien. Alessandro Vecchiato und Carlo Urbinati sind beide Geschäftsführer von Foscarini; die Kompetenzen hingegen sind klar aufgeteilt: Während sich Alessandro Vecchiato um Produktentwicklung, Kommunikation und Marketing kümmmert, ist Carlo Urbinati für den kommerziellen Part, den Vertrieb, zuständig.
Foto: Alessandro Vecchiato und Carlo Urbinati (Quelle: Foscarini)
Giulio Iacchetti befasst sich seit 1992 mit Industriedesign. Er arbeitet abwechselnd als Planer und als Lehrkraft an zahlreichen Universitäten und Designschulen in Italien und im Ausland. Er ist mit verschiedenen internationalen Preisen ausgezeichnet worden. 2001 kann er zusammen mit Matteo Ragni den Compasso d'oro für das vielseitig verwendbare, biologisch abbaubare Besteck "Moscardino" entgegen nehmen, heute Teil der permanenten Designausstellung im MOMA in New York.
Foto: Giulio Iacchetti (Quelle: Foscarini)